Berlin Kreuzberg

Berlin, 10.02.2015.
Heute war ich mit Arbeitskollegen in Berlin Kreuzberg unterwegs. Geführt wurden wir von einem jahrelang in Berlin lebenden Menschen. Innerhalb der nächsten 2 Stunden erfuhren wir geschichtliche Details, Erfahrungen und Erlebnisse und nahmen so einen bleibenden Eindruck mit nach Hause. Die Dresdner Straße bot uns die übliche Arbeiterarchitektur aus der DDR. Wohnungen sind innerhalb weniger Monate erbaut worden, die von Mietern, unterster Gehaltsklasse, für wenig Geld trocken gewohnt wurden. Erst danach zogen Menschen aus der Arbeiterschicht ein. Warum gab es in Arbeiterhaushalten keine Balkone? Die Arbeiter schufteten teils 16 Stunden am Tag an der frischen Luft. Wer möchte sich dann noch draußen auf den Balkon setzen? Auf einem Hinterhof zeigte uns der Mann 4 Toiletten, die damals von allen Hausbewohnern genutzt werden mussten, weil es keine Klo’s in den Wohnungen gab. Allein auf der Dresdner Straße starben so 20 Menschen an einer Choleraepidemie. Später ging es entlang der alten Mauer (die es natürlich nicht mehr gibt) zu einem Viertel, in dem Menschen noch heute in kleinen selbst gebauten Baracken leben. Dieses Viertel ist direkt neben dem alten Bethanienkrankenhaus gelegen, welches auch heute noch von linken Politikgegnern besetzt wird. Wusstet ihr, dass es damals Stadtbauernhöfe gab, wo Kinder aus dem Westen mit Tieren in Kontakt treten konnten? Es gab nämlich Unterschiede zwischen Ost und West. Was für das Ostkind selbstverständlich war, musste das Kind aus dem Westen in solche Bauernhöfe gehen, um zu erfahren und zu erleben, was ein Pony, eine Ziege oder ein Huhn ist. Ich glaube aber, dass es dem städtischen Leben geschuldet ist. In ländlicheren Gegenden wird man als Kind sicherlich einmal einer Kuh oder einem Pferd begegnet sein, egal ob Ost oder West. Letztes Ziel unserer Kreuzbergführung führte uns zu einem 350m² großen Grundstück auf dem damaligen Mauerstreifen, welches einem türkischstämmigen Deutschen gehörte. Er hatte zu Zeiten der Berliner Mauer ein Gemüsebeet angelegt und es mit Maschendrahtzaun umzäunt und geschützt. Die Grenzsoldaten duldeten sein Treiben, weil er ihnen als eine Art Gegenleistung Gemüse abgab. Welcher in Deutschland lebende Türke kann das schon von sich behaupten, der Grenzsoldaten als Aufpasser seines Grundstückes gehabt hat? Später erbaute der Mann ein kleines 2-stöckiges Häuschen aus Bretter und Pfosten. Das beeindruckende Stück Geschichte in Zeiten der BRD und DDR, ist auch heute noch umzäunt und lädt immer wieder zu einem Besuch ein.

Für mich war es ein unglaublich spannender Besuch, der mich mit längst vergessener Geschichte, kontrastreichen und reellen Eindrücken zurück nach Celle entlässt. Großen Dank an den Mann, der uns hat an seinen Erlebnissen und an seinem Wissen teilhaben lies. Danke.
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